​​​HEUTE EINEN

italienischen Salat, dazu Rotwein und Weißbrot, danach einen Espresso.

Sonntagsonnenschein und Terrassengefühl, Meeresgeruch vom Tisch nebenan. Die grünen Blätter der Bäume, durch die sanftes Licht gleitet, strotzen vor Selbstvertrauen. Auf den Stühlen des Cafes nimmt Gelassenheit Platz. Und bleibt den ganzen Tag sitzen. Nichtstun als Glückszustand. Ohne Spuren zu hinterlassen.

Kein Flugticket, keine Buchung, kein Check-in, keine Reisegepäcksversicherung.

Miniurlaube im Cafe daheim. Samstags oder sonntags oder feiertags. Miniurlaube vor der Haustür. Preiselbeerduft über Sommerblau, an den Häuserwänden kleben 50 Grad. Das Hemd in weiß und Schatten von sattem Grün auf dem Tisch. Brillenglas in gelbbraun und die Sicht geht hindurch an den Strand, wolkenlos die Zeit und die Nächte warm.

Heute einen Antipasti Teller mit umbrischem Gefühl. Tintenfisch schmilzt auf der Zunge und Muscheln baden im Süden. Wir trinken mit dem Wein die lauten Sätze weg und die sanften ins Licht. Ich höre klares Wasser rauschen und atme langsame Flügelschläge. Von Hier nach Dort, von den Plätzen aus Asphalt nach dem Geruch des Meeres, ist es keine Tagesreise. Nur wenige Sekunden und das Flugzeug ist schon gelandet.

Miniurlaube im Cafe. Samstags oder sonntags oder feiertags. Kein Flugticket, kein Check-in-Schalter. Reich an Zeit und eine Havanna zum Gruß an einen weiten Himmel.

 

LYRIK

 

über der Stadt, die, eingebettet in die Grammatik der Rosen, ihr Wortspiel mit den Bewohnern treibt. Unbemerkt. H.C. steht da in die Luft geschrieben, mit ana schwoazzn tintn. Unauffällig.

Man stadtstreicht durch die Gassen, vorbei am Haus des Dichters, entlang poetischer Zeilen und Buchstaben. Ist auf Abenteuertour. H.C. war dichtender Salzburger und abenteuerlicher Wiener, im Deutsch daheim und in unbekannten Sprachwelten zuhause.
Zwiespältig stets das Verhältnis dieser Stadt zu seinen Literaten. Sie kamen und gingen. Nicht immer freiwillig. Wie viel hält man aus hier? How much, Schatzi? Drüben im Restaurant der piccolo, vielleicht fünfzehn Jahre alt, seinem oberkellnernden Peiniger ausgesetzt. Ich muss an H.C. denken.

Weiter Himmel, blaue Seele. Wind in den Haaren. Durch die Straßen fegt die Sprache dieser Stadt, die einen anzieht und abstößt zugleich. Viel versprechend. An den Ufern der Salzach lösen sich die Sätze langsam in Luft auf, driften noch kurz weiter über die kleinen Stege. Dann, vor der Filmkulisse platzen sie.

 

Heute bin ich quer durch die Stadt gestreift, diagonal und am Rand entlang, trapezartig zurück, nach oben auf die Hausberge und hinunter in die Domkrypta. Mit leichten Bewegungen, festen Schritten und ausweichenden Gedanken.

Am Ende der Stadt, noch ein bisschen weiter, traf ich wieder auf H.C. und sprang mit ihm hinaus ins nahe liegende, offene Gebirge. Wir badeten im grünkalten Bergsee. An der Oberfläche trieben seine Bücher. Und die Wörter stiegen lautlos zum Himmel empor. Und blieben dort.